Was tun in Zeiten voll Hektik und Stress

Kennst du diese Tage, an denen einfach alles nervt? Der Chef, die Kollegen, die Menschen in der U-Bahn und im Supermarkt sowieso? Es gab mal eine Zeit, da war ich vor allem im Job eigentlich jeden Tag bereits am Morgen genervt und gereizt. Alles ging mir „auf den Keks“ und ich spürte neben Unzufriedenheit auch eine ganze Menge Wut in mir, die einfach keinen Weg nach draußen fand. In meinem Fall empfand ich also Stress eher aufgrund von Frust im Job und nicht von zu viel Arbeit. Die Ursache ist dabei aber egal. Angenehm ist Dauerstress für niemanden und ungesund auch, wie inzwischen auch die Schulmedizin weiß.

Was also tun, wenn es mal zu viel wird, wenn man keine Lösung weiß oder eben nicht einfach dem Stress entfliehen kann? Natürlich kannst du jetzt sagen: Wechsele den Job und tu was, das dich erfüllt und du hättest Recht damit. In der Praxis ist das jedoch nicht immer sofort möglich (unmöglich ist es jedoch auch nicht).

Ich habe keine Patentlösung, aber ich kann dir erzählen, was mir geholfen hat. Es kam der Tag, da wurde mir endlich klar, dass es so keinesfalls weitergehen konnte. Ich war dauernd unter Strom, gereizt und kurz vor der Explosion. Den Film „Falling Down“ konnte ich mit jedem Tag besser verstehen. Den Job konnte ich nicht so einfach hinschmeißen, Urlaub erschien mir zur Lösung nicht ausreichend.

Mein Problem war vor allem meine dauernde Gereiztheit, also machte ich mich auf die Suche nach mehr Gelassenheit. Ich konnte den Chef nicht ändern, die Kollegen ebenso wenig und die Menschen in der Bahn musste ich eben ertragen, es sei denn, ich wechselte das Verkehrsmittel. Nun, das zumindest tat ich zeitweise auch und fuhr des Öfteren mit dem Rad zur Arbeit und siehe da, ein wenig frische Luft und Ruhe am Morgen zeigten bald erste Veränderungen. Nun bin ich leider ein Schönwetter-Radler also mussten weitere Methoden her, die mich das, was ich nicht ändern konnte, besser ertragen ließen.

Wer auf der Suche nach Gelassenheit ist, landet irgendwann fast sicher bei der Meditation, so auch ich. Anfangs war ich etwas skeptisch, ob das überhaupt etwas für mich sein könnte, erscheint das Thema doch meist in leicht esoterischem Anstrich oder religiös verklärtem Kleid. Und tatsächlich musste ich bei einem Yoga- und Meditationskurs feststellen, dass sie meisten Damen überproportional häufig in violetter Kleidung, Ökolatschen und kurz geschnittenem grauen Haar auftauchten, um mich sanft lächelnd aus ungeschminkten Augen anzulächeln. So lieb die Ladies da auch waren, das war nicht, wonach ich suchte. Überdies fiel es mir unglaublich schwer, mich auf meine Atmung, mein Inneres, geschweige denn auf Übungen zur Gelassenheit einzulassen, wenn fünfzehn Zentimeter neben mir, der nächste Mensch laut atmend nach Erleuchtung suchte.

So ganz ließ mich das Thema jedoch nicht los und ich spürte, das könnte eine echte Hilfe gegen mein Stressempfinden im Job (und vielleicht auch im Alltag) werden. Nur wie sollte ich Zugang finden, wie konnte ich das so schwierig anmutende meditieren erlernen? Na wozu gibt es YouTube! Hier konnte ich in Ruhe suchen und ausprobieren, niemand saß neben mir, ich musste nicht einmal die Wohnung dafür verlassen. Dank einiger hilfreicher Hinweise einer Freundin fand ich schnell, was bzw. wer mir gefiel… geführte Meditationen und Phantasiereisen! Gerade als Anfänger erschien mir nämlich die Vorstellung, in absoluter Stille und vollkommen unbeweglich herumzusitzen und daraus noch positive Effekte zu ziehen, nicht nur unmöglich erreichbar, sondern auch wenig erstrebenswert.

Ich probierte ein paar Videos aus, bis ich jemanden fand, dessen Stimme mir angenehm war und dann ging sie los, die Reise in die eigene Phantasie! Ich kann das jedem nur empfehlen, auch wenn ich nicht sicher weiß, ob das nun Meditieren ist oder nicht. Oft erscheint es mir wie eine kleine Hörbuch-Auszeit, die mich aus dem Alltag entführt. Morgens stehe ich oft ein paar Minuten früher auf und lege mich entspannt mit Kopfhörern ins Wohnzimmer, dann lasse ich mich für zehn, fünfzehn oder auch mal zwanzig Minuten davontragen in diese Welt der Entspannung, Bauchatmung und Lichtwesen.

Fast unbemerkt veränderte sich etwas. Je öfter ich morgens die geführten Meditationen anhörte, umso weniger wichtig erschienen mir nach und nach all die kleinen Ungerechtigkeiten, vollgestopften Bahnen oder seltsamen Angewohnheiten von Kollegen und Chefs. Nicht, dass ich sie nicht mehr wahrgenommen hätte, aber sie berührten mich nicht mehr so stark, die Wut im Inneren löste sich auf und machte ein Stück weit der langersehnten Gelassenheit Platz. Es war. Als hätte ich mich mit Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50 am Morgen eingecremt, ich sah die Strahlen noch, aber sie verbrannten meine Haut nicht mehr.

Natürlich klappt das nicht immer und wer mich kennt weiß, dass keineswegs ein ruhiges oder in sich ruhendes Wesen aus mir geworden ist. Der Lichtschutzfaktor lässt eben auch nicht dauerhaft alles abprallen, aber im Job hat es mir geholfen, vieles entspannter zu betrachten und der Unzufriedenheitsstress prallt immer öfter an mir ab.

Vielleicht hast du Lust, es selbst mal zu versuchen? Finde deinen eigenen Weg! Möchtest du sitzen, liegen, gehen, einen Kurs oder ein Buch nutzen, möchtest du es mit YouTube selbst herausfinden oder einfach mal vollkommene Stille genießen? Es gibt nicht DEN einen, richtigen Weg. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie es Menschen gibt.

Und wenn dein Stress eher organisatorischer Natur ist, genügt für den Anfang vielleicht auch nur ein Terminkalender, damit du dich entspannter und weniger genervt fühlst.