Übers Alleinsein und die Liebe

Neulich fragte ich eine Freundin, worüber ich denn in meinem nächsten Blog schreiben könnte. „Über die Liebe“, sagte sie. „Davon hab ich doch keine Ahnung, ich bin doch Single und zwar gern“, erwiderte ich. Aber dann dachte ich nach, über die Liebe und das Alleinsein.

Wenn ich Freunden oder Bekannten erzähle, dass ich „allein“ durchs Leben gehe (ich meine ohne Mann an meiner Seite) und dabei überaus glücklich bin, ernte ich oft Unverständnis, Kopfschütteln oder ein mitleidiges Lächeln mit den Worten: „Du wirst schon noch den Richtigen finden“. Ich frage mich dann oft, ob der Teil, in dem ich vom Glück spreche einfach überhört wurde oder vielleicht mit mir irgendwas nicht stimme, weil ich so gar kein Bedürfnis nach dem Zusammensein und –leben mit einem anderen Menschen verspüre.

Weißt du, es ist nicht so, dass ich Liebe nicht schon erfahren hätte, im Gegenteil, ich erinnere mich an vieles Wunderbares: Das tiefe Glück geliebt zu werden, Gefühle der Geborgenheit, die Freude zu lieben, Vertrauen, Zusammenhalt und Nähe. Ich kenne das Kribbeln des ersten Kusses und die Aufregung der ersten Dates, ich kenne das strahlende Planen einer gemeinsamen Zukunft während man von rosa Wolken hinab ins Tal der Welt schaut. Ich bin in den Armen eines geliebten Mannes eingeschlafen und aufgewacht, habe Alltag, Urlaub und Familienfeste gemeistert, kenne Streit, Tränen und das warme Gefühl der Versöhnung.

Ich kann nur sagen, wer das Glück hat, einen Menschen zu finden, mit dem er all das teilen kann, bei dem er ganz er selbst sein darf und wo beide eine Verbindung finden, die ohne Angst, Zweifel oder Kontrolle auskommt, den kann ich nur beglückwünschen und sagen: Halte das fest, es ist großartig, wertvoll, wunderschön! Genieß die Freude, die darin liegt und erkenn das Glück darin. Echte Liebe ist leicht und schwebend, sie klebt nicht und sie fesselt nicht, sie bedrückt nicht und fordert nicht und es gibt sie ganz sicher! Nun ja, das klingt jetzt vielleicht ein wenig idealistisch (ich bin eben auch ein kleiner Romantiker), aber obwohl ich eingangs schrieb, ich bin glücklich als Single, glaube ich doch auch genau daran: An Freiheit im Zusammensein und das Wunder der Liebe.

Obwohl ich von all dem überzeugt bin, gibt es für mich noch andere Wege in diesem Leben. Keiner ist besser als der andere, keiner mehr oder weniger wert. Sie existieren einfach nebeneinander, gleichberechtigt. Einer dieser Wege ist das Alleinsein. Ehe du jetzt mitleidig auf mein Leben als Single schaust, kann ich dir versichern: Mein Leben ist dennoch nicht ohne Liebe, ich genieße die Nähe zu meiner Familie und meinen Freunden, ich liebe das wild sprühende Leben mit allen Facetten, die Menschen an sich und vor allem liebe ich mich selbst (eine Erkenntnis und ein Gefühl für das ich jedoch eine ganze Weile brauchte)!

Es gibt so Vieles, das sich lohnt, allein zu erleben. Es ist nicht besser oder schlechter als zu zweit, es ist nur anders. Wenn ich morgens aufwache, spüre ich nie (nicht einmal am Sonntagmorgen) ein Gefühl der Einsamkeit oder Kälte, im Gegenteil, ich liege in der Mitte meines Bettes und all der Platz, alle Kissen und Decken, all das ist nur für mich! Die Sonne scheint nur für mich ins Zimmer und ich fühle mich manchmal wie ein Teenager, der zum ersten Mal sturmfrei hat.

Ich koche gern, am liebsten jedoch nur für mich allein. Vielleicht ist es die Sorge, es könnte dem Gast nicht schmecken oder das Gericht, bei dem ich immer nur experimentiere und mich nie nach Rezepten richte, nicht gelingen. Wenn ich in der Küche stehe, Musik höre und ein Essen für mich vorbereite, fühle ich mich oft wie im Flow, ich bin ganz auf die Zutaten konzentriert, genieße die leckeren Gerüche, die aus der Pfanne aufsteigen und freue mich auf das Essen. Ich kann alles ausprobieren, was mir gerade einfällt oder ganz neue Rezepte testen. Und dabei habe ich nie Sorgen, denn es ist egal, wann es fertig wird, egal, wie es (jemand anderem) schmeckt oder ob ich beim Zubereiten die ganze Küche in ein Schlachtfeld verwandelt habe. Ich tue das nur für mich und bin mein liebster Gast.

Früher fand ich es schwierig, allein in ein Café oder Restaurant zu gehen. Ich dachte, die Leute würden mich anstarren oder über mich reden. Ich garantiere dir: Nichts davon ist der Fall! Obwohl ich es liebe, mit einer Freundin in einem Restaurant zu sitzen, zu reden und zu lachen, haben auch die Besuche allein ihren gewissen Reiz. Wenn du ohne Begleitung bist, hast du Zeit, dir in Ruhe die Einrichtung anzusehen, die Atmosphäre des Raumes in dich aufzusaugen und die Menschen zu betrachten. Tiefe Zuneigung zur Menschheit überkommt mich manches Mal, wenn ich zwei alte Damen in einer Ecke bei Kaffee und Kuchen sehe, die sich vielleicht schon dreißig Jahre kennen, aber zanken wie zwei Teenager. Ich muss schmunzeln wenn ich ein Kind mit einem Riesenschnitzel auf dem Teller sehe und die erstaunten Blicke der Eltern, wenn das Kleine am Ende tatsächlich alles verputzt. Du kannst manchmal eine besondere Magie im Raum spüren, wenn du dir die Zeit nimmst und hinsiehst: All diese verschiedenen Menschen, jeder mit eigenen Wünschen und Sorgen, jeder mit einer eigenen Geschichte und doch jeder mit dem Wunsch nach Liebe, Glück und Geborgenheit. Diesen Zauber spürst du nur, wenn du allein bist und Zeit hast, zu sehen.

Ganz ähnlich ist es auf Reisen. Wie schön ist es, mit einem geliebten Menschen oder einem Freund Erlebnisse, Orte, Erfahrungen zu teilen. Die Erinnerung ist wie ein Band, das uns zusammenhält. Wenn du die Gelegenheit hast, dann reise dennoch auch mal allein. Du wirst ganz Neues sehen und erleben, wirst aufmerksamer und offener für die Welt und Umgebung. Und dann, begegnest du dir selbst! Wenn die Stimmen ringsum verstummen und du dich nicht auf andere Menschen konzentrierst, dann kommt viel mehr von dir zum Vorschein, als du vielleicht denkst. Es ist Zeit, sich über seine Wünsche, Ideen und Träume klarzuwerden, du kannst vielleicht hören, wonach du dich eigentlich sehnst, du kannst neue Seiten an dir entdecken oder überrascht zusehen, wie kreative Ideen aus dir herausprudeln. Auf solche Reisen und Ausflüge nehme ich deswegen immer was zum Schreiben mit, man weiß ja schließlich nie. Womöglich kommt dir eine Idee, die dein ganzes Leben verändert, wie schade wäre es, das zu vergessen.

Das waren jetzt ein paar kleine Beispiele mit denen ich dir zeigen will, dass es ganz und gar nicht einsam oder seltsam ist, allein zu sein. Ich genieße jeden Tag in vollen Zügen. Falls du also gerade ohne Partner bist, falls du auf der Suche nach der großen oder kleinen Liebe bist, falls es Tage gibt, an denen du deswegen zweifelst und verzagst, probiere doch in der Zwischenzeit etwas in neuer Gesellschaft aus, nämlich allein mit dir selbst. Vielleicht findest du ganz unerwartet Glück und Freude und ja auch Liebe darin, vielleicht findest du deinen passenden Lebensweg oder vielleicht findet ein besonderer Mensch dann auch dich, von ganz allein.

5 Kommentare für: Übers Alleinsein und die Liebe

  • Andreas

    Schön geschrieben! Ich habe für mich selbst festgestellt, daß ich als Single ebenso glücklich sein konnte wie jetzt mit Partnerin und Familie. Ist vielleicht wirklich eine Frage der eigenen Einstellung, sein Glücklichsein zu finden.
    Und was die Partner betrifft, finde ich, die besten findet man nicht durch Suchen, sondern die kommen einem eines Tages über den Weg gelaufen und bleiben dann einfach. Wenn es paßt, dann paßt es eben! :o)

    • Lily (Autor)

      Ja, Andreas, damit hast du aus jeden Fall recht, ich denke auch, wer passt, läuft einem eines Tages über den Weg. Hat bei Euch ja auch geklappt 🙂

  • Kerstin

    Sehr schön geschrieben und ich kann mich Holly nur anschließen, man ist für sein Leben selbst verantwortlich und dass was man daraus macht.

  • Lily (Autor)

    Danke liebe Holly für diesen wunderbaren Kommentar und die Ergänzungen zum Thema!

  • Holly

    Sehr schöner Artikel!!! Ich kann in allen Punkten nur zustimmen. Das große Glück trägt jeder ganz alleine in sich. Und wer es bei jemand anderem versucht zu finden , wird sicher enttäuscht. Das Leben kann Allein so schön sein , aber auch zu Zweit. Und es wird immer das sein, was DU daraus selber machst. Kein anderer Mensch ist verantwortlich für DEIN Leben. Findest du den Partner der auch mit sich alleine glücklich sein kann, kann sich euer gemeines Glück nur ergänzen und vervielfachen!!! Fazit: Sei glücklich jeden einzelnen Tag. Mit oder ohne Partner. Das Leben da draußen hat viel zu bieten 😉

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