Genieß den Winter ohne „Blues“

Kennst du das auch? Der wilde bunte Sommer geht zu Ende und spätestens mit der Umstellung der Uhren auf Winterzeit (was ich übrigens sehr nervig für mein Gleichgewicht jedes Jahr finde), macht sich plötzlich eine bleierne Müdigkeit breit? Den ganzen Tag über bin ich dann oft müde, kann aber nachts dennoch nicht richtig schlafen, würde am liebsten gar nicht vor die Tür gehen und nichts macht mich dann glücklicher als freie Tage ohne Termine, in denen ich in gemütlichen Klamotten den ganzen Tag auf dem Sofa verbringe. Wer braucht da schon Sport, Partys, Konzerte oder Treffen mit Freunden. Was unternehmen? Ach, morgen vielleicht.

Wie ein Bär kurz vor dem Winterschlaf setzt mir die dauernde Müdigkeit zu und ich würde mich am liebsten tagelang in meiner Wohnung einschließen. Die gemütliche Wohnung hält mich mit warmen Händen geradezu gefangen und doch kann ich kaum was mit mir anfangen, bin ich doch ständig hin- und hergerissen zwischen dem wohligen Gefühl der unproduktiven Gemütlichkeit und dem schlechten Gewissen, das Leben da draußen zu verpassen.

Das Wetter selbst macht mir dabei eigentlich gar nichts aus, ein bisschen Regen, Wind oder Schnee, na und? Es ist wohl eher die dauernde Dunkelheit, die mir ein wenig aufs Gemüt schlägt. Wenn ich morgens um sechs Uhr aufstehe, ist es stockfinster. Auf dem Weg zur Arbeit sitze ich in vollgestopften U-Bahnen ohne Tageslicht und nach Feierabend um siebzehn Uhr hat sich die Sonne bereits wieder verabschiedet. Meine Laune bleibt zum Glück recht gut, doch mein Körper bleibt im Halbschlaf-Modus und verhindert nahezu alles an Aktivitäten, was mir im Rest des Jahres Freude macht.

Ehe ich Dir aber ein paar Tipps geben möchte, was du dennoch tun kannst, hab ich mich auf die Suche nach einer (wissenschaftlichen) Erklärung für dieses jährliche Phänomen gemacht:

Ursachen

In der Psychologie spricht man der Winterdepression, einer saisonalen depressiven Verstimmung, aber nicht so stark wie eine „echte“ Depression (saisonal-affektive Störung, SAD, wie passend die Abkürzung, nicht wahr). Doch auch unter der Winterdepression leiden eher wenige, man schätzt maximal ein Prozent der Deutschen. Viel häufiger ist eine sog. „Befindlichkeitsstörung”, also eine schwächere Form der Winterdepression, der sogenannte Winterblues. Und obwohl ich Blues (musikalisch) sehr mag, könnte ich auf diesen gut verzichten.

Als Ursache nimmt man Störungen des biologischen Tag-Nacht-Rhythmus an. Mangelndes Sonnenlicht sorgt dafür, dass unsere „innere Uhr“, die den Organismus auf Tagesaktivität oder Schlaf einstellt, durcheinander gerät. Im Gehirn wird aus dem „Glückshormon“ Serotonin in der Zirbeldrüse das Hormon Melatonin gebildet und dieses sorgt für die Steuerung des Wach-Schlaf-Rhythmus. Durch den Mangel an Licht wird die Melatonin-Produktion im Gehirn angeregt und bleibt damit auch am Tage hoch, was für ein erhöhtes Schlafbedürfnis sorgt. Die Bildung des Melatonins bewirkt gleichzeitig, dass der Serotoninspiegel sinkt, was zu unserer schlechteren Stimmung führt. Um diesen Spiegel wieder anzuheben, verlangt der Körper nun nach Kohlenhydraten: Pasta, Brot und vor allem Süßes (meiner ruft meist sehr laut danach).

Bei einer „normalen“ Depression ist hingegen eher Appetitmangel und vermindertes Schlafbedürfnis zu beobachten. Es gibt übrigens auch Wissenschaftler, die betonen, dass der Organismus evolutionär betrachtet, keineswegs krankhaft reagiert, denn mit den kürzer werdenden Tagen sollen Ressourcen geschont und durch die Gewichtszunahme wichtige Reserven angelegt werden. In der heutigen schnelllebigen und ständig aktiven Gesellschaft sind diese früheren Reaktionen aber eben etwas hinderlich geworden. Mein Arbeitgeber hat jedenfalls kein Verständnis dafür, dass ich im Winter meine Ressourcen schonen möchte.

Wenn du nun weißt, woher diese winterliche Verstimmung und Müdigkeit kommt, ahnst du vielleicht auch schon, welche Tipps hilfreich könnten, das Problem zu lösen. Klar kannst du eine richtige Lichttherapie machen oder dich mit Antidepressiva behandeln lassen, wenn die Symptome stark sind, aber ich verrate dir ein paar simple WAYS ®, was du selbst zusätzlich tun kannst.

Hier meine

Top 5:

  1. GEMÜTLICHKEIT

Vergiss dein schlechtes Gewissen und mach es dir mindestens einen Tag in der Woche zu Hause gemütlich! Gib dich voll Zufriedenheit dem Nichtstun hin, kuschele dich in warme Decken, trink leckeren Tee, erfreue dich am Licht von Kerzenschein und lass dich richtig reinfallen in deinen Winterblues.

  1. LICHT

Licht hilft! Versuch, so oft wie möglich, rauszugehen. Das ist kein ganz leichter Tipp, denn die Müdigkeit kann wirklich jeglichen Antrieb zum Erliegen bringen. Wie wäre es, wenn du auf dem Weg zur Arbeit einfach mal eine Station früher aussteigst und den Rest läufst oder dein Auto mal absichtlich ein Stück weiter weg parkst, so bekommst du ein klein wenig mehr frische Luft und Tageslicht wenn du sowieso schon unterwegs bist. Wenn du die Möglichkeit hast, geh mittags auch mal raus, es ist sowieso ungesund, sich den ganzen Tag ohne Pause mit der Arbeit zu beschäftigen.

  1. NAHRUNG

Koch was Neues und genieße es! Obwohl du vielleicht (wie ich) vermehrt Appetit auf Süßes hast, kann es hilfreicher sein, frisches Gemüse zu essen. Du kannst es ja mit Honig würzen. Probiere mal was Neues aus, ein neues Rezept oder auch ein Gemüse, das gerade Saison hat und das dir noch unbekannt ist. Ich teste dann meist ein Rezept aus meinem Vietnam-Kochbuch, die Küche ist scharf und frisch, superlecker und bekömmlich und das Kochen dauert meist nicht lange, perfekt für einen Winterfaulpelz wie mich. Der gute Nebeneffekt ist, dass ich oft ganz versunken bin, in das Kochen: Der Geruch der Zutaten, die Zubereitung, der neue Geschmack. Ich bin im Flow und glücklich dazu!

  1. SPORT

Sport tut gut! Ich gebe es zu, im Winter gehe ich viel seltener zum Sport als ich möchte (und sollte). Morgens packe ich noch voll Tatendrang die Tasche, um dann nach Feierabend doch mit einer billigen Ausrede den direkten Heimweg anzutreten. Ja, es fällt schwer. Wenn ich aber doch mal zum geplanten Training gehe, bin ich danach wach, fit und voll guter Laune! Wenn du gern laufen gehst, tu das! Stehst du eher auf Yoga? Geh hin! Kannst du mehr mit Kampfsport anfangen? Nur zu! Wenn du nicht weiß, was du machen könntest, empfehle ich Tanzen! Es ist egal, ob du dabei mit deinem Partner im Walzerschritt übers Parkett schwebst oder zu Hiphop-Beats neue Streetdance-Moves lernst, tolle Musik und Bewegung lassen dich mit Spaß ganz schnell den Winterblues vergessen und du kannst deine Müdigkeit abschütteln, selbst wenn der Kurs dich so richtig ins Schwitzen bringt.

  1. SINGEN

Da wir gerade bei Musik sind, auch singen kann dir gegen den Blues helfen! Wichtig ist, dass du dabei auch richtig atmest. Bevor du loslegst, atme zwei- bis dreimal tief in den Bauch ein, halte die Lust ein paar Sekunden an, dann atme langsam aus. Achte nur auf deinen Atem und beobachte, wie sich deine Bauchdecke dabei hebt und senkt. Und dann such dir einen Song oder am besten gleich eine ganze CD mit Songs, die du magst und wo du mitsingen kannst. Dreh die Musik auf und los geht’s: Atme tief ein und dann sing aus „voller Kehle“, gibt dich der Musik hin und hab‘ einfach Spaß! Es geht nicht darum, jeden Ton richtig zu treffen, sondern vielmehr um das Atmen und die Lebensfreude, die du spüren und förmlich aufsaugen kannst, wenn du singst.

 

Hast du andere, ganz eigene Tipps gegen den Winterblues? Dann schreib mir oder kommentiere, ich freue mich über Anregungen und Neues zum Ausprobieren!

2 Kommentare für: Genieß den Winter ohne „Blues“

  • Catty

    Toller Artikel. Sehr liebevoll geschrieben. Vor allem sind die Tipps sehr gut. Mein Gemütlichkeits-Tag werde ich mir heute nehmen und morgen geht es dann ab zum Sport.

  • Michael

    Ich esse vermehrt rote Beete, sie ist ein Meister der Stimmungsaufhellung

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