Auf der Suche nach dem Glück in mir

Die meiste Zeit halte ich mich für einen überaus glücklichen Menschen. Das war nicht immer so, denn vor allem die Pubertät mit all ihren tiefsinnigen und lebensverändernden Fragen hat ein paar düstere Stunden mit sich gebracht, aber obwohl ich auch heute noch keine Antwort auf viele der damaligen Fragen gefunden habe, fühle ich mich inzwischen sehr oft zufrieden, glücklich und einfach wohl in meinem bunten, wilden Leben.

Und doch gibt es ein paar Dinge, die mich regelmäßig nerven oder mich in kürzester Zeit auf die Palme bringen können. Dann bin ich unausgeglichen, zickig, genervt und sicher kein angenehmer Zeitgenosse. Es gibt auch Zeiten, da werden die Projekte, die ich oft selbst und mit Freude gewählt habe, einfach zu viel und wie ein wackliger Bücherberg droht alles in sich zusammenzustürzen, wenn ich auch nur ein weiteres Blatt Papier oben drauf lege. Spätestens dann ist die Zeit gekommen, auf Reisen zu gehen.

Nicht immer kann man einfach ein paar Wochen Urlaub nehmen und die weite Welt erkunden. Also hab ich es an den freien Wochenenden mit kleinen Ausflügen probiert und siehe da, es hilft! Oft reicht es, nur für einen Tag die Stadt und gewohnte Umgebung zu verlassen und wenn ich heim komme, habe ich nicht nur das Gefühl, viel länger fort gewesen zu sein, so anders erscheinen mir die Menschen und Straßen, ich bin auch stets erholter, entspannter und zufriedener als zuvor.

Ein guter Nebeneffekt ist, dass andere Orte fast immer meine Kreativität wecken und mich auf neue Ideen bringen. Das Gespräch mit mir selbst (im Stillen versteht sich) und die ungewohnte Ruhe, wenn mein Mund mal nicht redet, zeigen mir meist den Weg zurück zum Glück. Meine Augen sehen Neues, die Luft riecht anders, die Welt zeigt mir ein anderes Gesicht und tief im Inneren erwacht die Neugier wenn ich auf Reisen gehe.

Da ich in einer großen Stadt lebe, wähle ich als Ziel meist einen ruhigen Ort in der Natur. Das Rauschen der Blätter in den Bäumen oder das Zwitschern der Vögel beruhigen mich sofort, es ist, als könnte ich freier atmen und dann auch freier denken! Vielleicht hast du auch Lust, das mal zu versuchen? Du musst nicht allein reisen, aber ich persönlich mag die Zeit nur für mich. Dann höre ich meine innere Stimme und kann gleichzeitig die Welt ganz ohne äußere Ablenkung genießen. Wenn du in einem Dorf lebst und dein Umfeld aus Wiesen, Wäldern und Ruhe besteht, ist vielleicht ein Ausflug in eine Stadt passender. Es geht nur darum, den gewohnten Rahmen zu verlassen, die Sichtweise zu ändern, mal anderes als das gewohnte Einerlei zu betrachten.

 

Für alle, die nahe oder in Berlin wohnen, kommt hier mein erster Ausflugstipp für einen Tag:

Kloster Chorin

Von Berlin kannst du ganz bequem in 40 Minuten mit der Regionalbahn (RE3 ab Berlin-Gesundbrunnen) in Chorin sein. Ich fahre gern Zug (wenn ich einen Sitzplatz ergattern kann), gleichförmig zieht der Zug durch die Landschaft und das leise monotone Brummen des Zuges macht mich entspannt und schläfrig. Ich genieße den freien Blick über die Felder und meine Gedanken träumen mit den vorbeiziehenden Wolken davon. Als ich an diesem Sommertag aus dem Zug steige und den kleinen Weg Richtung Kloster entlang laufe, begrüßen mich überall bunt blühende Stockrosen. Ein, zwei Katzen liegen in der Sonne herum, außer ein paar Touristen sehe ich keine Menschenseele auf meinem Weg. Die Sonne scheint durch die Bäume und ich folge vergnügt den Schildern, rechts abbiegen hier, links abbiegen dort. Allein hätte ich das Kloster sicher nicht gefunden.

Dann führt mich der Weg in einen Wald hinein. Es ist still und kühl, leise wispern die Blätter von Sonne und Freiheit, in der Ferne bellt ein Hund. Kurz kommen mir Zweifel, ob ich den richtigen Weg gewählt habe, denn niemand sonst läuft hier entlang und wenn ich nun stolpere und links die Böschung hinunterfiele? Es würde sicher lange dauern, bis mich jemand findet, denn niemand weiß von meinem Tagesauflug. Solch seltsame Gedanken können einem schon mal durch den Kopf gehen, wenn man allein in einem Wald herumwandert. Irgendwann erreiche ich einen See und der Weg wird heller und sonniger. Und da liegt es: Das Kloster. Zunächst sehe ich nur die Rückseite des Gebäudes und den kleinen alten Friedhof, der sich neben der saftig-grünen Wiese an die alte Steinmauer schmiegt.

Der Weg führt nun um das Kloster herum bis zum Eingang zum Klostergelände (es kostet ein kleines Eintrittsgeld von 4 €). Direkt neben dem Eingangsgebäude befindet sich ein kleines Restaurant. Hier werde ich gleich mal eine kleine Pause einlegen und ein leckeres Essen genießen. Das gehört für mich zu einem Ausflug auf jeden Fall dazu. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen und bestelle einen Salat mit Ziegenkäse, Honigdressing und ein Glas Weißwein. Liegt es an den Zutaten (alle Produkte sind in Demeterqualität vom Ökodorf Brodowin), dem hervorragenden Koch, meiner freudigen Stimmung oder der frischen Luft und herrlichen Landschaft? Vielleicht ist es ein Mix aus allem, aber ich habe selten so einen köstlichen Salat gegessen! Fast möchte ich den Teller ablecken, so lecker ist alles.

Der anschließende Rundgang durch die Klosterruine ist wunderschön … wenn man es lernt, die schnatternden Menschen und geführten Reisegruppen auszublenden. Zum Glück bietet der Ort immer Platz, sich zu setzen, die gotische Schönheit wirken zu lassen und gleichzeitig die anderen Besucher vorbeiziehen zu lassen. So groß ist der Andrang dann nicht, dass ich nicht stets ein paar ruhige Minuten finde, in denen ich mir das Kloster im lebendigen Kreis von Mönchen längst vergangener Zeiten vorstellen kann. Ob damals auch schon dieser Baum vor dem Fenster stand als die Mönche hier Kranke pflegten und sich der Armen annahmen?

Am Nachmittag spaziere ich noch ein Stück am See hinter dem Kloster entlang und mache mich dann auf den Weg zurück durch den Wald und das alte Dorf zum Bahnhof. Pünktlich (!) erscheint der Zug und ich bin noch vor dem Abendessen zu Hause, entspannt, erholt und glücklich.

 

https://www.kloster-chorin.org/

https://www.brodowin.de/