Das Glück des Anfangs

Manchmal entsteht in mir ganz plötzlich so ein vages Gefühl und ich spüre, dass sich etwas ändern wird, nein, dass ich etwas ändern werde! Es ist, als würde ein zarter Gedanke tief verborgen und unbewusst langsam Gestalt annehmen, bis er ganz unvermittelt an die Oberfläche bricht. Und dann beginne ich etwas Neues! Das kann einfach ein neues Thema sein, für das ich mich mit einem Mal interessiere oder eine kleine Reise. Manchmal plane ich auch eine neue Aus- oder Weiterbildung oder ich schreibe einen neuen Songtext, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Kennst du das vielleicht auch?

Ich setze jedoch nicht alle Ideen und Pläne wirklich in die Tat um. Mancher Einfall erscheint mir nach ein paar Tagen nicht mehr spannend genug oder ich überlege bereits Anderes. Aus anderen wieder werden große Projekte, die mich jahrelang begleiten. Doch das Schönste ist für mich der Beginn: Das Glück des Anfangs. Der Gedanke ist noch neu und frisch, es duftet nach Unschuld und einem Meer von Möglichkeiten. Fast spüre ich, wie Glückshormone wellenartig meinen Körper durchströmen und wenn der Augenblick erreicht wird, wo ich sagen kann: „Ja, das werde ich wirklich machen!“ nimmt das Gefühl des Glücks und der Freude fast manifeste Formen an.

Manche Projekte dauern lange, viele bringe ich zu Ende, aber leider bin ich nicht immer mit endlosem Durchhaltevermögen gesegnet. Zu vielfältig und aufregend ist die Welt voller Möglichkeiten und tausend andere Wege gäbe es noch zu gehen. Das ist aber im Moment des Anfangs nicht wichtig. Da geht es nur um die Freude an Kreativität und Veränderung.

Ich glaube viele Menschen haben spontane, wunderbare Ideen und Einfälle, die jedoch im Strudel des Alltags allzu häufig verpuffen. Sie leuchten kurz auf und zeigen einen Funken ihres Potentials, doch dann verglühen sie wie Sternschnuppen, wenn man sie nicht festhält.

Hast du Lust, dich auf die Suche nach dem Glück des Anfangs zu machen?

 

Hier ein kleiner Tipp:

  1. Kaufe dir ein schönes Schreibheft und einen Stift. Es kann ganz klein sein, so dass du es überall mit hinnehmen kannst oder groß, damit du genug Platz für alle Einfälle hast.
  2. Notiere jede Idee, jeden Einfall, sogar jeden Quatsch, der dir in den Sinn kommt auf einer neuen Seite. Du sitzt in der U-Bahn und siehst einen Mann mit einer blauen Jacke. Die Farbe erinnert dich an das Meer in deinem letzten Urlaub und dass du dir mal wieder die Urlaubsfotos ansehen möchtest? Schreib es auf!

Du läufst durch die Straßen und ein unbekannter, aber köstlicher Geruch steigt dir in die Nase und mit einem Mal fällt dir ein, dass du mal einen Indisch-Kochkurs an der Volkshochschule besuchen wolltest. Notiere dir den Gedanken.

Morgens beim Zähneputzen fragst du dich plötzlich, ob es noch andere Mittel gibt, mit denen man sich die Zähne putzen kann und wie Zahnhygiene eigentlich in anderen Ländern gehandhabt wird. Mach dir eine Notiz in dein Heft.

  1. Einmal in der Woche (natürlich gern auch öfter) ist die Zeit gekommen, sich seine Ideen der ganzen Woche anzusehen. Nimm dir etwas Zeit und mach‘ es dir gemütlich. Diese Zeit ist nur für dich! Sei mutig, träume und geh mit deinen Gedanken auf spannende Reisen. Male dir ganz genau aus, wie du mit deiner Freundin bei einer Flasche Rotwein in Urlaubserinnerungen schwelgst (hörst du ihr Lachen?), überlege dir, welch‘ köstliche Gerichte du nach dem Kochkurs deinen Freunden bei einer Essenseinladung servierst und alle freudig überraschst (na, kannst du den Duft schon wahrnehmen?) oder mach dich auf die Suche nach Informationen zur Zahnhygiene und lerne Neues.

Du musst nicht jede Idee verwirklichen, aber ihr in Gedanken zu folgen, sie lebendig werden zu lassen und in bunten Bildern wahrzunehmen, kann dir schon ein kleines Gefühl von Glück und Freude verschaffen. Und da ist es, das Glück des Anfangs.

  1. Und wenn es doch mehr ist als ein flüchtiger Augenblick, dann notier dir in einem nächsten Schritt, was du tun oder verändern müsstest, um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Schreib die einzelnen Punkte auf, bedenke auch, was dagegen spricht oder dich hindern könnte und ob es Lösungen dafür in deinem derzeitigen Leben gibt. Und dann: Geh los und versuch es einfach, Stück für Stück, Schritt für Schritt.
  2. Wenn du keine Lust mehr hast oder merkst, deine Idee lässt sich jetzt (noch nicht) verwirklichen, keine Sorge! Erfreue dich an der Reise, die du in Gedanken bereits machen konntest, blättere auf eine neue Seite um, um sammele die nächsten funkelnden Einfälle. Sei unbescheiden! Nimm alles mit, was dir auf dem Weg begegnet, aussortieren kannst du später.

Und wer weiß, wenn du das Heft nach langer Zeit erneut liest, werden aus manchen albernen Ideen vielleicht doch noch wunderbare Wege.