Reisefieber

Am Ende dieser Woche steht mal wieder eine Dienstreise an. Es geht zur Messe nach Nürnberg, nichts Aufregendes also (die Stadt ist aber niedlich und empfehlenswert für eine Besichtigung). Doch während ich gerade überlege, was ich einpacken muss und keinesfalls vergessen darf, packt es mich: Das Reisefieber!

Ich übernachte gern in Hotels. Ich liebe es, morgens an einem fremden Ort zu erwachen, das Frühstück serviert zu bekommen und nicht mal selbst die Laken des Bettes glattstreichen zu müssen. Ich muss mich nicht fragen, was ich anziehen mag, denn ich habe nur die Auswahl aus meiner Reisetasche. Das erspart gerade am Morgen überflüssige Entscheidungen. Und dann trittst du hinaus in eine frische, neue, andere Welt. Zumindest erscheint es mir so, wenn ich ein Hotel verlasse.

Ich reise auch gern mit dem Zug oder Bus, ein Flugzeug besteige ich jedoch nur dann, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Das Wissen, dass ich nur mit einem Flieger an meine Reiseziel gelangen kann, kann mir das Abreisen schon ein wenig vermiesen. Zum Glück vergesse ich diese Angst aber immer schnell, sobald ich erst sicher gelandet bin. Und die innere Dankbarkeit, noch am Leben zu sein, hat ja auch ihren besonderen Zauber.

Jetzt ist erst Februar, das Jahr hat gerade erst begonnen und ich kann meinen Jahresurlaub nicht sofort im Februar verpulvern, ohne den Rest des Jahres zu jammern. Also entscheide ich mich dagegen, den gesamten März frei zu nehmen und durch Europa zu reisen (Ich hätte es vermutlich auch aus einigen anderen Gründen nicht getan). Was ich aber tun kann, ist die kleinen Reisen des Jahres jetzt schon zu planen! Gut ist, ich fahre gern allein weg und muss mich daher mit niemandem absprechen, wann, wohin oder wie lange? Meer oder Berge, Wandern oder Strand? Noch weiß ich es selbst nicht.

Zuerst suche ich nach passenden Daten: Ostern, Pfingsten und andere Feiertage fallen weg, da bezahlt man oft unfassbar hohe Hotelpreise. Die Wochenenden, die bereits mit Konzerten, der Familie oder guten Freunden verplant sind, sind ebenso tabu. Wochenlange Reisen kommen zurzeit ebenfalls nicht infrage, dafür fehlen nicht nur die finanziellen Mittel, ich habe darauf auch keine Lust. Allein reisen ist ja schön, aber bitte nicht wochenlang!

So, ein paar Tage sind gefunden, die günstig liegen. Ich spüre schon, wie meine Atmung sich etwas verändert und wie meine Finger plötzlich ein wenig schneller über die Tastatur fliegen. Die ersten Anzeichen der Vorfreude sind da.

Meine liebsten Seiten sind dann im nächsten Schritt www.skyscanner.de und www.booking.com. Über Skyscanner suche ich nach passenden Urlaubsorten, sofern sie sich außerhalb eines Fünfstunden-Bahn-Radius‘ befinden. Das Gute ist, hier kannst Du nach günstigen Flügen ganz ohne vorheriges Ziel suchen. Gib einfach das Datum ein und wähle „flexibel?“ und schon erscheinen dir neben Deutschland alle möglichen Destinationen geordnet nach Land und Reisepreis. Oft spüre ich schon beim Lesen der Landesnamen wohin es mich zieht. Soll ich nochmal nach Bern oder lieber Budapest, sehe ich mir endlich Avignon an oder erkunde ich Bilbao?

Wenn ich dann einen akzeptablen Flugpreis und einen Ort gefunden habe, der Phantasie und Spannung weckt, geht es gleich weiter zu booking.com (oder eine andere Hotelsuchmaschine) und ich suche nach einem Hotelzimmer. Ach, was für eine Freude, virtuell durch die Landkarten einer Stadt zu streifen, Fotos von Hotelzimmern zu betrachten und sich vorzustellen, wie es sein würde, in einem dieser Zimmer zu erwachen. Natürlich ist in meiner Vorstellung der Ausblick immer herrlich und das Wetter strahlend schön.

Die Reise zu manchen der favorisierten Orte erledigt sich dann doch, weil man ewig braucht, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Avignon zum Beispiel muss warten, bis ich einen guten, bequemen und bezahlbaren Weg dorthin gefunden habe und in Venedig verschlingt ein Hotelzimmer locker ein Wochenbudget pro Nacht. Manchmal zieht es mich dann vorübergehend (fast aus Trotz) wieder in heimatliche Gefilde, Ostsee geht ja immer, finde ich. Spätestens am nächsten Tag siegt dann aber die Verlockung wieder und ich stöbere in Europakarten herum, frage dann Freund Google was er zu dem gewählten Ort sagt und beginne erneut mit Flug- und Hotelsuchen. Meist habe ich bis dahin schon ein oder zwei Ostsee-Wochenenden gebucht.

Und weißt Du was, diese Suche nach Reisen und die Aufregung die entsteht, wenn ich mir vorstelle, ich fahre hierhin und dorthin, ist unbezahlbar! Die Zeit verfliegt geradezu mit meinen phantastischen Tagträumen und wohlüberlegten Reiserouten. Am Ende habe ich dann wirklich was gebucht. Nichts Großes und Weltbewegendes, nur ein paar kleine Wochenendtrips, die ich mir gerade so leisten kann, aber ich bin aufgeregt und glücklich als wäre ich bereits unterwegs.

Meine „Lieblingsreise“ ist dabei in diesem Jahr jetzt schon Paris mit einem Tagesausflug nach Mont Sankt Michel, das gönne ich mir zum Geburtstag. Und obwohl ich noch bis zum Herbst warten muss, bis es losgeht, spüre ich schon jetzt das Kribbeln im Bauch und nichts und niemand kann mich heute mehr stressen oder ärgern. Spätestens als ich das Flugticket gekauft habe und wirklich auf den Button „Buchen“ geklickt habe, war es da dieses Gefühl, das echte, wilde, wunderbare Reisefieber.

Probier’s mal aus, es ist herrlich!